St. Amandus Müddersheim

Anständig miteinander umgehen und sich wertschätzen

Irene & Helmut Stupp

Im Gespräch mit Irene und Helmut Stupp


Wie lange leben Sie in Müddersheim?

Beide: Schon immer, von Geburt an.

 

Müddersheim  - wenn Sie an diesen Ort denken, welche Allegorie, welche Metapher kommt Ihnen in den Sinn?

Helmut: Dann denke ich an Natur, viel Wald und an nette Leute.

Irene: Ja, so geht es mir auch. Müddersheim ist für mich - das Gegenteil zur Stadt mit viel Industrie.

 

Was unterscheidet für Sie diesen Ort von anderen?

Irene: Schwer zu sagen, da wir ja selten in anderen Orten sind. Aber auf jeden Fall unterscheidet die Lage. Müddersheim liegt erhöht mit viel Wald drum herum.

Helmut: Als Unterschied könnte man aber auch einen Kritikpunkt anbringen. In einigen anderen Orten wie z.B. Disternich gibt es Personen, die sich sehr engagieren für den Zusammenhalt in ihrem Dorf. Einige gibt es zwar auch in Müddersheim, aber es könnten noch mehr sein.

 

Wie würden Sie den „echten“ Müddersheimer beschreiben?

Helmut: Schwierige Frage, das könnte vielleicht am besten jemand beantworten, der außenstehend ist oder noch nicht allzu lange hier wohnt.

Irene: Ich glaube, man kann sagen, dass der „echte Müddersheimer“ sehr heimatverbunden ist und an diesem Ort hängt.

Helmut: Das lässt sich aber auch nicht verallgemeinern. Es gibt Leute im Ort, die nehmen überhaupt keinen Anteil, interessieren sich Null für das Dorfleben und andere wiederum engagieren sich sehr und arbeiten aktiv in den Vereinen mit.

 

Wenn ich neu in diesen Ort käme, was müsste ich tun, um dazuzugehören?

Helmut: Vor allem unter die Leute gehen und sich nicht isolieren.

Irene:  Ja, dann wird hier im Dorf jeder freundlich aufgenommen. Ich habe es noch nie erlebt, dass  jemand ausgeschlossen wurde.

Helmut: Das setzt aber auch voraus, das man offen für Kontakt ist und nicht hinter dem Rücken redet.

 

Welchen Bezug haben Sie zu unserer Kirche in Müddersheim?

Helmut: Ich bin in dieser Kirche getauft worden, hab die Kommunion erhalten, bin zur Firmung gegangen, habe Irene geheiratet und vermutlich wird hier auch mein Begräbnis stattfinden. Mein ganzes Leben hat mit dieser Kirche zu tun.

Irene: Bei mir war es genauso. Und – ich bin jeden Sonntag in die Messe gegangen, ob es geregnet oder geschneit hat. Jetzt leider nicht mehr, da die Messe in unserer Kirche ja nicht mehr regelmäßig stattfindet.

Helmut: Wir wurden von unseren Eltern so erzogen. Die Eltern erwarteten, dass wir zur Andacht gingen. (Lacht) Ob wir das dann tatsächlich taten oder auf irgendwelchen Schleichwegen abwarteten bis die Andacht vorbei war, das steht auf einem anderen Blatt.

Irene: Man kann sagen, wir leben mit der Kirche. Uns stört zum Beispiel auch das Läuten der Glocken nicht, obwohl wir so nah dran wohnen. Für uns ist das ein vertrauter Klang, den wir oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Helmut: Doch Irene, wenn ich manchmal nachts aufwache, schaue ich nicht auf die Uhr, sondern warte auf die Kirchenglocke und zähle die Schläge. Die Kirche ist für mich auch ein wesentlicher Grund, warum ich im Förderkreis bin, weil ich möchte, dass unsere Kirche erhalten bleibt.

 

Was bedeutet Glauben für Sie?

Irene: Das habe ich noch nie hinterfragt. Ich bin katholisch erzogen worden und glaube an den Heiland, dass er bei mir ist und mich beschützt, wenn ich zum Beispiel Auto fahre oder so.

Helmut: (Lacht) Dich zu beschützen, dafür bin ich doch zuständig. Jeder glaubt doch an irgendetwas, oder? Ob an Allah oder an Buddha, was auch immer. Meine Eltern waren katholisch und so bin ich eben in diesen Glauben reingewachsen. Ich versuche christlich zu leben, indem ich das tue, was ich verantworten kann, indem ich ein gutes und ehrliches Verhältnis zu meinen Mitmenschen habe. Mit anderen anständig umgehen und sie achten, das ist für mich auch christlich und Glaube.

 

Die Kirche wird immer leerer, immer weniger Menschen nutzen die Angebote. Welche Ursachen vermuten Sie dahinter?

Helmut: Das fängt damit an, dass es keinen Pfarrer nur für unseren Ort gibt.  Es wäre schön, wenn man zum Beispiel bei Ereignissen, wie Taufen oder Sterbefällen schneller kirchlichen Beistand hätte Irene: Ja, es hängt viel vom jeweiligen Pfarrer ab, ob er sich hinter seinen Büchern vergräbt oder auf die Menschen zugeht. Für viele ist die Kirche heute nur noch Anziehungspunkt an Weihnachten, zu Ostern, Neujahr oder im Sterbefall.

Helmut: Für mich gehört zum Beispiel auch dazu, dass ein Pfarrer am alljährlichen Gang zum Friedhof  mit Kranzniederlegung teilnimmt oder an Allerheiligen, Zeit zum Gräbersegnen findet.

Irene: Aber wenn wir mal ehrlich sind, die Eltern leben ihren Kindern den kirchlichen Glauben heute auch nicht mehr so intensiv vor. Die Menschen haben zu viele andere Interessen, sind zu abgelenkt. In vielen Familien werden die Kinder nur noch bis zur Kommunion von den Eltern begleitet und dann war´s das.

Helmut: Tja, und dann tragen die Vorkommnisse, die derzeit in der katholischen Kirche passieren oder ans Tageslicht kommen auch nicht gerade dazu bei, die Kirchen wieder zu füllen.

 

Was müsste denn aus Ihrer Sicht passieren, damit sich wieder mehr Menschen dem Glauben zuwenden?

Helmut: Die Kirche muss sich wieder für die Menschen öffnen und transparenter werden. Was der neue Papst derzeit verkündet, macht Hoffnung. Ich hoffe nur, dass die konservative Kurie ihn nicht in seinen Vorhaben blockiert.

Irene: Ich finde, man kann niemanden zum Glauben zwingen. Doch wenn ein Pfarrer zum Beispiel gut predigt, eine Sprache findet, die die Menschen berührt, kann das auch anziehend wirken.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Müddersheim?

Irene: Ich wünsche mir, dass die Kirche und der christliche Geist im Ort erhalten bleiben.

Helmut: Ja, und dazu gehört für mich auch, dass man anderen gegenüber nicht feindlich eingestellt ist, sondern anständig miteinander umgeht, sich gegenseitig akzeptiert und wertschätzt. Ich wünsche mir insbesondere für die älteren Menschen hier im Ort, dass man sie achtet.