St. Amandus Müddersheim

„Immis“ sind herzlich willkommen

Hans-Hubert Sons

Im Gespräch mit Hans-Hubert Sons

 

Wie lange leben Sie in Müddersheim?

Hans-Hubert: Ein langes Leben, von Geburt an.

 

Müddersheim - wenn Sie an diesen Ort denken, welche Allegorie, welche Metapher kommt Ihnen in den Sinn?

Hans-Hubert: Wenn ich an Müddersheim denke, denke ich an Heimat. Es ist für mich der schönste Ort der Gemeinde Vettweiß. Es liegt inmitten von Wald und Feldern, fast abgeschnitten von der Außenwelt. Ich wäre niemals irgendwo anders hingezogen.


Was unterscheidet für Sie diesen Ort von anderen?

Hans-Hubert: Die Lage. Müddersheim liegt abseits von der Straße auf einer Anhöhe und man erreicht von hier aus schnell Düren, Köln, Bonn und Aachen - Mobilität vorausgesetzt. Wenn nicht, ist man leider arm dran. Und noch einen Unterschied - Müddersheim ist, laut Kölner Express, das jeckste Dorf Deutschlands mit einem Karnevalsverein der Spitzenklasse.

 

Wie würden Sie den „echten“ Müddersheimer beschreiben?

Hans-Hubert: Der „echte“ Müddersheimer ist hier geboren, sehr bodenständig und teilweise auch lustig. Früher hatten wir einen sehr starken dörflichen Zusammenhalt, der sicherlich auch dem Krieg geschuldet war. Bei Fliegeralarm saßen alle Dorfbewohner jeden Abend im Keller und beteten gemeinsam den Rosenkranz. Jeder hatte NICHTS und war auf den anderen angewiesen. Heute ist der eine dem anderen sein Satan und es gibt immer wieder Neid auf Besitz.

 

Wenn ich neu in diesen Ort käme, was müsste ich tun, um dazuzugehören?

Hans-Hubert: Jeder Immi, der sich für die Müddersheimer öffnet, sich unseren Vereinen anschließt oder sich auf andere Art und Weise für das Dorf engagiert, ist hier herzlich willkommen. Doch leider nimmt die Zahl derer immer mehr zu, die sich in ihren Häusern verkriechen und den Ort nur noch als Schlafstätte nutzen.

 

Welchen Bezug haben Sie zu unserer Kirche in Müddersheim?

Hans-Hubert: Hm, was soll ich dazu sagen, ich wurde in meinem Elternhaus katholisch erzogen und ging schon als kleiner Junge regelmäßig mit meinen Eltern in die Kirche. Kirche und Glaube gehörten zu meinem Alltag und wurden nie in Frage gestellt. So war es auch selbstverständlich, dass ich als Messdiener in der Kirche diente. Neben aller Ernsthaftigkeit waren wir Jungs eine eingeschworene Gemeinschaft, hielten zusammen wie Pech und Schwefel und erlaubten uns mit Pastor und Küster so manchen Schabernack.

 

Was bedeutet Glauben für Sie?

Hans-Hubert: Ich glaube an das Gute im Menschen. Wenn ich meinen Blick nur auf das Schlechte richten würde, auf Kriege, Naturkatastrophen oder einzelne Menschen, die sich unter dem Deckmantel der Kirche persönlich bereichern, hätte ich meinen Glauben vielleicht schon verloren. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch in seinem Innern einen guten Kern hat.

 

Die Kirche wird immer leerer, immer weniger Menschen nutzen die Angebote. Welche Ursachen vermuten Sie dahinter?

Hans-Hubert: Schwer zu sagen. Vielleicht sind die einen enttäuscht von der Institution Kirche und andere wollen Kirchensteuer sparen. Darüber hinaus halte ich auch die Medien für mitschuldig, dass sich immer mehr Menschen in sich selbst zurückziehen und die Gemeinschaft meiden.

 

Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit sich wieder mehr Menschen dem Glauben zuwenden?

Hans-Hubert: Wenn ich das wüsste. Vielleicht bräuchte es mehr Menschen mit Vorbildfunktion. Dabei denke ich zum Beispiel an unseren letzten Pastor K. Lemmen.  Jemand, der mit Leib und Seele Pastor war, sich den Fragen stellte, sehr offen auf Menschen zuging und wirklich für sie da war.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Müddersheim?

Hans-Hubert: Ich wünsche mir, dass sich in unserem Dorf wieder mehr Leute für das dörfliche Geschehen interessieren und mit Freude engagieren.